Februar 15, 2005

Frischer Wind


Mein Freund und ich überlegten uns neulich, sportlich zu sein. Man kann nicht immer biertrinkend auf dem Sofa liegen oder alternativ in einer Kneipe. Vor der Praxis bedurfte es ausführlicher Theorie.

Der Freund bezeichnet sich gern als „international player“, was daher rührt, dass ich aus Deutschland komme und er eben nicht. Umso mehr tendierte er zu internationalem Sport.
Fußball jedoch lehnte ich sofort ab. Fußball spiele man nicht, man schaue es biertrinkend auf dem Sofa, womit wir wieder bei der Ausgangssituation landeten.

Tennis klang schon besser, wurde vom Freund aber einzig und allein auf Grund der engen und kurzen Röckchen, die man mir im Sporthandel kaufen könnte, vorgeschlagen. Nach weiterer Überlegung sah ich uns ohnehin als Kreisligakopie Graf-Agassi biertrinkend auf dem Sofa liegen.

Gegen Radfahren fielen mir nur schleppend Gegenargumente ein. Vor allem, weil wir im einzigen Ort der USA wohnen, welcher jemals Fahrradwege hervorbrachte.
Ich fragte, ob das Radeln nicht völlig überschätzt werde. Diese Radelei führe letztendlich nirgendwo hin. Nur einmal im Jahr würden viele dünne, halbgebräunte Halbleichen in einem großen Kreis durch Frankreich radeln, ab und an hinfallen, sehr enge Kleidung tragen und bei der Siegerehrung einen Plüschhasen geschenkt bekommen. Es mache keinen Krach, gehe über absurd hohe Berge und am Ende scheitere alles am falschen Sattel. 

Ich schlug eine Abwandlung des althergebrachten Radsports vor: Zwei Teams von Radlern, alle schon völlig gerädert durch zu viele Radler, radeln aufeinander zu und wer als Erster vom Rad fällt, verliert und qualifiziert sich für ein Lanzengefecht zu Pferd. Das alles findet im Kolosseum zu Rom statt, Eintrittskarten sind völlig überteuert und mafiagesteuert…

Das tat der Freund natürlich als völligen Unsinn ab, zumal ich „Lanzengefecht“ nur unzureichend in die englische Sprache übersetzen konnte.

Unser Theoriegespräch wurde vertagt. Man kann es dem Freund eben nicht recht machen.


Januar 25, 2005

Kontra


Mein Freund und ich wohnen nun schon eine Weile zusammen und neulich machte er den Vorschlag, uns eine Bulldogge anzuschaffen. Ich war natürlich nicht begeistert, weil Hunde und ich oft einem Missverständnis unterliegen: Der Hund mag mich, aber ich mag den Hund nicht.
Man kann sich dann hinsetzen und das dem Hund erklären, aber Hunde hören mir nicht zu, sondern werfen sich auf den Rücken und warten darauf, dass ich kraulend über sie herfalle.

Für den Freund war das kein Argument.
Ich brachte den nächsten Ablehnungsbescheid: Man kann keine Bulldogge kaufen, nur weil die Bulldogge das Symbol seines Lieblingsfootballvereins ist. Zumal wir schon eine Porzellanbulldogge bei uns in der Küche stehen haben, die ich nicht verrücken darf (z.B. in den Schrank).

Dieses Mal zählte mein Einwand als Argument, jedoch nicht gegen einen Hund an sich, denn sein nächster Vorschlag war ein Pitbull, wahrscheinlich wegen dem „bull“ im Namen.
Ich versuchte einen radikalen Themenwechsel und schlug vor, anstelle eines Hundes einen Papagei zu kaufen. Ein Papagei stirbt erst nach uns, pinkelt nicht an jeden Pfeiler und spricht. Einem Papagei könnte ich notfalls erklären, dass ich ihn ablehne, ohne dass er sich wortlos auf den Rücken wirft, wie es der Hund tut.
Der Freund übersprang meinen Papagei völlig und freute sich riesig, dass wir im Frühjahr eine Bulldogge kaufen gehen.

Ich stellte mich dann in eine imaginäre Ecke und imitierte ein Telefon: Man wird eben manchmal überhört.

August 18, 2004

Wie ich einmal Konrad abholte


Neulich fuhr ich zum Flughafen, um Konrad abzuholen. Konrad ist mein vorübergehender Mitbewohner und fährt gern einmal ans Meer, um dort kleine Schildkröten beim Baden zu beobachten. 

Es war spät, der Flughafen klein und alle Geschäfte geschlossen.
Außer mir langweilten sich die Damen der Avis-Vermietung und ein dicker Chinese mühte sich mit einem Staubsauger in der Größenordnung eines Leuchtturms ab. 
Der Geräuschpegel störte die Klavierfassung eines Foo Fighters-Liedes doch sehr.

Ich zählte genau vier Gepäckbänder. 
Mein Lieblingsgepäckband war Independence 5817. Dem Namen nach zu urteilen war es sehr wahrscheinlich das Spezialband der NASA für Raumfähren. Ich sah schon halbnackte Raumfahrer kreiseln, als sich Independence plötzlich ausschaltete und statt dessen ein „Welcome to Savannah“ aufleuchtete. Independence hatte wohl Probleme mit dem Eintritt in die Erdatmosphäre.

Plötzlich tauchten Menschen auf.
An mir lief ein unheimlich großer und beängstigend dünner Amerikaner vorbei. Er trug Sportkleidung und etwas in der Hand, das doch schwer an einen Besteckkasten erinnerte. 
Kurz darauf schwebten zwei dicke Gazellen mit Zimtparfum an mir vorbei, weshalb mein Gehirn vorübergehend aussetzte. 

Als ich wieder zu mir kam, heulte eine Sirene los, rotes Leuchten in der Delta-Ecke. 
Ich wusste: Es war an der Zeit, dass Batman im Batmobil um die Ecke bog. Ich suchte nach dem geheimen B-Zeichen auf dem Teppichmuster, konnte aber keines finden.
Mindestens acht Passagiere eilten zum Gepäckband und holten ihre Koffer ab.
Als die Aufruhr ein Ende fand, blieb ein Karton übrig: Salted Duck Eggs. Made in China. 
Ich musste mich schon sehr wundern, wie jemand so ein kulinarisches Highlight liegen lassen konnte. 

Weit und breit kein Konrad in Sicht.
Mittlerweile kam die Konradwartezeit auf gefühlte 93 Stunden.
Die Durchsage, dass sein Flug eineinhalb Stunden Verspätung hatte, machte die Sache nicht besser. 
Ich schlenderte in das letzte Etablissement, was noch offen hatte, eine Sea Food Bar. 

Nach zwei Bier und Geräteturnen in Athen ging es mir schon viel besser und ich schlief entspannt in einem Schaukelstuhl ein.

Juli 28, 2004

In den U.S.A.


Wussten Sie, dass…

…Henry Ford den Motor und das Auto erfunden hat?
…wir in Deutschland das Lenkrad auf der rechten Seite haben?
…Chrysler Daimler aufgekauft hat?
…wir in Deutschland keine Handschaltung sowie Kupplung kennen und deswegen alle Automatik fahren?
…wir in Deutschland Angst haben, wenn man schneller als 80 km/h fährt?
…die besten Autos der Welt aus den USA kommen?
…man mit deutschen Personalausweisen kilometerlange Staus im Supermarkt verursacht, weil die verschreckte WalMart-Verkäuferin erst einmal zum Supervisor huschen muss, da sie das Geburtsdatum nicht finden kann?
…sich genau jene WalMart-Verkäuferin wundert, wenn sie denn das Geburtsdatum gefunden hat, dass es in Deutschland bis zu 31 Monate, aber nur 12 Tage gibt?
…Amerikaner immer und überall und zu jeder Zeit und rund um die Uhr erreichbar sein müssen, telefonieren, Nachrichten verschicken, Nachrichten hinterlassen, Bilder senden, Klingeltöne testen, Hintergrundbilder runterladen, über Handys sprechen, Handys vorführen und Handys anschauen? Und dass dies automatisch dazu führt, dass Amerikaner weltweit am meisten Ahnung von Handys und deren Gebrauch haben?
…alle Amerikaner deutsche Vorfahren haben und daher Deutsche sind?

Ich weiß das jetzt alles.
Bitte sagen Sie dem restlichen Deutschland Bescheid.

Juli 01, 2004